Gernot Blümel

Privater Gitarrenunterricht

Worum es geht 20.06.2016

Wenn man mitten in der Ausbildung steckt, ist es ziemlich klar, worum es bei Musik geht: Man lernt all die Akkorde, Standards, Themen, Harmonielehre, Rhythmik, Improvisationen, … und es geht im Endeffekt um Noten - nicht nur die, die man spielt sondern auch jene, die man für seine Leistung bekommt. Ist ja logisch, wie sonst sollte eine Ausbildung beurteilt werden, als dass man gewisse Standards und Normen erfüllt? Es muss messbar sein.

Dann ist man fertig mit seiner Ausbildung, findet sich in der freien Wildbahn wieder und stellt fest, dass es im echten Leben um ganz andere Dinge geht. Es kann ganz plötzlich passieren, dass man sich selbst und was man da eigentlich tut infrage stellt und sich nicht mehr sicher ist, ob die Maßstäbe, die man sich gesetzt hat, wirklich Musik ausmachen. Denn irgendwie scheint Musik sich selbst vorauszusetzen. Das soll heißen, dass man das Handwerk erlernt, ist sowieso klar - sonst bräuchte man das gar nicht machen - aber die eigentliche Frage ist: WAS macht man nun damit? Es geht plötzlich nicht mehr um gut oder schlecht, schnell oder langsam, anspruchsvoll oder simpel - all das ist eigentlich egal - der Musik ist das egal! Es geht der Musik nur noch um sich selbst. Und man muss sich fragen, was für eine Rolle man für die Musik spielt. Mir ist es oft so vorgekommen, und das tut es auch heute noch immer, als wäre man selbst das Vehikel für die Musik, sich zum Ausdruck zu bringen und nicht umgekehrt. Ich weiß, das klingt ein wenig esoterisch, aber hey, was soll’s? ;)

Ich selbst habe irgendwann den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr gesehen. Du kennst das bestimmt - je mehr man sich in ein Thema vertieft und versucht Klarheit reinzubringen, desto verdrehter und schwieriger kann es werden. Und das war auch der Punkt, wo mich vor ein paar Jahren ein bisschen der Mut verlassen hat, selbst aktiv Musik zu schreiben - die Frage war immer: Wozu? Und so habe ich mich mehr um das Geschäftlich gekümmert, die Kreativität hintangestellt, meine Gitarrenschule gegründet und ehrlich gesagt ein wenig resigniert.

Heute weiß ich, das war das Beste was ich tun konnte. Indem ich von meinen Vorhaben und engen Vorstellungen abgelassen habe,  machte ich Platz für die eigentliche Information, die mich eh schon seit Jahren erreichen wollte, ich aber zu verschlossen dafür war. Meine Schüler haben mir gezeigt, worum es geht - und sie tun es noch immer.

Der Mann, der seiner Frau ein Lied zum Hochzeitstag schreiben möchte - darum geht es.

Derjenige, der nun in Pension ist, seit über 50 Jahren ein Instrument lernen wollte, und seinen Traum nie vergessen hat - darum geht es.

Diejenige, der schon als Kind gesagt wurde, dass sie vollkommen unmusikalisch sei und es jetzt trotzdem tut - darum geht es.

Derjenige, der in seiner Jugend aus politischen Gründen nie an seine heißgeliebte Rockmusik gekommen ist und Jahrzehnte danach endlich selbst Stairway to heaven spielen kann - darum geht es.

Diejenige, die nach einer sehr schwierigen Phase ihres Lebens wieder in ebendieses zurückfinden möchte und Gitarrespielen als Vehikel dazu nutzt - darum geht es.

Diejenige, die mit ihrer Enkelin zum Schulabschluss „Die Vogelhochzeit“ spielen können möchte - darum geht es.

Derjenige, dessen Augenlicht leider zunehmend erlischt, aber trotzdem Gitarre lernt, weil er es nicht akzeptiert, dass es nun nicht mehr gehen sollte - darum geht es.

Vieles könnte ich hier noch aufzählen. Falls du ein Schüler von mir bist und dich in den Beispielen gerade nicht findest - sei beruhigt, ich weiß wer du bist und ich kann dir sagen, auch um dich geht es.

Klar ist es cool auf einer Bühne zu stehen und aufs Ärgste runterzurocken - aber darum geht es eigentlich nicht. Zumindest nicht direkt. Sondern es geht darum, WARUM man das tut. Und ich weiß es heute, weil es mich meine Schüler gelehrt haben. Und in dem Wissen kann ich all meine Akkorde, Rhythmen uns Skalen einfach zuhause lassen, wenn es zu einem Auftritt geht und das tun, worum es geht. Dafür danke ich meinen Schülern.

Wir alle sind Musik.

Kommentare (1)   Kommentar abgeben

  • Georg Formanek, 20.06.2016 darauf antworten

    .... und das merkt man! Ich hatte einmal einen Lehrer, der war zwar technisch gut, aber so demotivierend, dass ich für Jahre keine Gitarre in die Hand genommen hab'. Erst als er ch dann eine Fotoausbildung gemacht habe, hat mir dann ein Kollege gesagt, dass ich nicht blöd sein soll - schließlich würde ich ja für mich spielen und nicht, um "gute Noten" zu bekommen.

    Und heute? Heute habe ich meiner Frau ein Lied geschrieben und ein Freund redet mir gut zu, da ich mir einen Finger gebrochen habe, möglichst bald wieder Gitarre zu spielen. Denn für seine Hochzeit hat er mich fix eingeplant!

    Stimmt, darum geht's!! Spaß haben und Spaß machen!! In diesem Sinne einmal ein Danke an meinen Lehrer.

    P.s.: Meinen kleinen Finger kann es ich auch wieder bewegen!??